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Reisemobil: Wingamm OASI 540 N
Hallo Frank,
ich habe mal bei uns rumgefragt und die verschiedenen Antworten auf Deine Fragen zusammengetragen.
1. Hund und OASI 540
Ein Schoßhund würde sicher gehen. Mittelgroßer Hund könnte tatsächlich knapp werden.
Hier könnte eher der OASI 610 oder der Brownie eine Option sein. Dort ist in der Heckgarage Platz für eine Hundebox. Es gibt auch einen Durchgang von der Heckgarage in den Aufenthaltsbereich, bzw. kann man ihn schaffen.
Soweit ich mich erinnere, bietet der Händler im Odenwald auch einen entsprechenden Umbau an.
Berücksichtige beim Brownie (5,99 m lang) und dem OASI 610 (6,10 m lang), dass diese entsprechend schwerer sind. Mit Deinen möglicherweise geplanten zusätzlichen Einbauten (große schwere Aufbaubatterie, Wechselrichter, ggf. Klimaanlage plus Anhängerkupplung oder Fahrradträger mit Fahrrädern) könntest Du die 3,5 t-Grenze überschreiten, so dass Du das Fahrzeug auflasten musst mit all den sich daraus ergebenden Konsequenzen (Geschwindigkeitsbegrenzung, es gibt wegen des Gewichts erste Einschränkungen, wo Du fahren darfst, außerdem musst Du eine Warnlampe mitnehmen und Sperrkeile mitführen…).
2. Motorisierung
Wenn Du später regelmäßig auch einen Anhänger ziehen willst, solltest Du den 180 PS-Motor wählen. Der 140 PS-Motor reicht nur für leichte Lasten und eher flache Strecken. Bei Bergauffahrten reihst Du Dich mit einem 140 PS-Motor schon ohne Anhänger hinter den LKWs ein, weil die Kraft nicht mehr ausreicht, sie zu überholen.
Wenn Du es auswählen kannst, versuche eine möglichst große Lichtmaschine (200 A) zu bekommen. Das wird später noch wichtig für die Ladeleistung des Ladeboosters, der die Aufbaubatterie lädt (Autarkie).
3. Dieselheizung
Du kannst bei der Erstkonfiguration auch werksseitig eine Truma Combi Dieselheizung 4DE auswählen. Kostet laut Katalog 1.125 € Aufpreis.
Einige wollen die Dieselheizung nicht missen. Andere empfinden sie außen als geruchsintensiv und deutlich hörbar. Das könnte Deine Stellplatznachbarn stören.
Ganz gasfrei wirst Du wahrscheinlich nicht hinbekommen, wenn Ihr auch kochen wollt. Hier benötigt Ihr Gas, es sei denn, Ihr baut ein Induktionskochfeld ein. Dann benötigt Ihr aber viel Strom und Batteriekapazität, da solche Platten zwischen 1.200 – 1.500 W (je Platte) verbrauchen.
Ich hoffe, Du willst mit Deinem OASI nicht schon diesen Winter nach Skandinavien? Wenn Du ein Reisemobil individuell konfigurierst und es extra für Dich angepasst wird, wirst Du es voraussichtlich nicht vor sechs Monaten ab Bestellung bekommen, eher sogar länger.
4. Wintertauglichkeit
Der OASI ist an sich erstmal gut für den Winter ausgerüstet. Das GFK-Monocoque ist gut isoliert und Du hast einen Doppelboden. Die Wasserleitungen sind in den Heizungsleitungen verlegt, so dass sie nicht einfrieren können. Und die Wassertanks sind beide beheizt.
Denk aber an eine dicke isolierende Frontscheibenabdeckung – dort geht die meiste Wärme verloren. Verzichte auf einfache beschichtete Luftpolsterfolien und auf Innenabdeckungen; sie bringen kaum Dämmwirkung.
5. Toilette
In den neuen Wingamm-Fahrzeugen sind regelmäßig Dometic-Toiletten verbaut. Probiert es doch erstmal mit denen und wechselt dann, wenn es nicht passt. Generationen vor Euch sind damit gut klar gekommen und kommen es immer noch. Zu zweit reicht eine Kassettentoilette im Normalfall ca. 2 Tage, wenn man sie ausschließlich nutzt.
6. Autarkie und Stromversorgung
Unter dem Fahrersitz kannst Du eine Untersitzbatterie aus Lithium (LiFePo4) verbauen. Hier sind Größen von 200 Ah bis mittlerweile sogar 700 Ah möglich.
Unter dem Beifahrersitz hast Du wegen des werksseitig eingebauten Elektroblocks nicht die volle Breite zur Verfügung. Hier kannst Du einen schlanken Wechselrichter unterbringen, wenn Du das Seitenfach dafür nicht opfern möchtest. Ein Multiplus 1600 VA von Victron Energy passt hierein. Einen solchen habe ich verbaut. Allerdings schafft er dauerhaft nur ca. 1.350 Watt. Darüber schaltet er sich irgendwann wegen Überlastung aus.
Wenn Du mehr Leistung möchtest, schau Dir mal die Kombi von WCS mit 2000 Watt (oder 3000 Watt?) an. Die könnte auch noch unter den Beifahrersitz passen. Ansonsten müsstest Du einen Teil Deines Seitenfaches opfern, was ich Dir aber nicht empfehlen kann.
Du siehst, beim Strom bist Du schon etwas beschränkt, wenn Du autark unterwegs sein willst. Mit zwei Induktionskochfeldern kochen würde also schon nicht gehen, weil das der Wechselrichter aller Voraussicht nach leistungsmäßig nicht mitmachen wird. Frag auch mal, welche Leistungsaufnahme der Fön Deiner Partnerin hat. Auch das könnte ein limitierender Faktor sein.
Wenn Du nun an die EcoFlow Powerstation denkst, ist das vielleicht für den Anfang eine Lösung. Nur wo möchtest Du dieses klobige und schwere Gerät hinstellen? Wenn Du Glück hast, passt es unter die Sitzbank oder in das Seitenfach – nimmt dann aber dort Platz für Stauraum weg, den Ihr zu zweit mit Sicherheit brauchen werdet. Und immer eine Verlängerungsschnur ins Bad zu legen, ist auf die Dauer keine Lösung.
Der 800 W Alternator Charger könnte gehen, aber nur wenn Du eine ausreichend dimensionierte Lichtmaschine hast. Sonst überhitzt diese. Oder der Ladestrom des Alternator Chargers muss begrenzt werden. Faustregel: 1/3 der Leistung der Lichtmaschine kann als Ladestrom für die Aufbaubatterie verwendet werden. Bei einer 200 A Lichtmaschine wären das also 66 A, entspricht ca. 850 W (66 A x 12,8 V).
Ansonsten gibt es anstatt des Alternator Chargers von Ecoflow andere Geräte, die sich hier bewährt haben: Orion von Victron Energy oder die Ladebooster von Votronic oder Mastervolt. Die Goldedition könnte der Ladebooster von WCS aus Goch sein.
Auf dem Dach des OASI 540 bekommst Du bis zu 360 Wp Solarmodule unter. Dann ist das Dach rappelvoll (eine kleine Dachklimaanlage würde allerdings noch passen). Beachte, dass Du damit im Winter in Skandinavien aber nichts mit anfangen kannst. Die Module liegen ja flach auf dem Dach und bringen wegen der niedrig stehenden Sonne keine Leistung. Ich habe ein solches Setup auf meinem OASI 540. Anfang November kommen da in Deutschland mittags ca. 30-50 Watt rum. Am ganzen Tag hast Du nur eine Ausbeute von 200 bis 300 Wh, also rund 15-25 Ah.
Hier würde es sich anbieten, noch einen zusätzlichen Solarladeregler für eine Solartasche zu installieren, die Du bei Bedarf rausstellst und auch schräg positionieren kannst. Bitte erwarte aber auch von dieser zusätzlichen Tasche keine Wunder. Im Winter ist das Sonnenlicht halt schwach.
Hier füllst Du Deine Aufbaubatterie eher mit einem Ladebooster beim Fahren, abhängig von der Stärke Deiner Lichtmaschine und dem verbauten Ladebooster.
7. Sommer-Belüftung / Hund
Der Maxxfan Deluxe ist die meistgenutzte Lösung. Alternativ gibt es noch die Lüfter von Beluna oder WCS. Unter die Außentemperatur kühlen die Lüfter den Innenraum des Wohnmobils aber auch nicht. Wenn es draußen 36°C sind, hast Du die auch im Inneren, eher sogar 40°C. Aber auch keine 50°C. Ob Euer Hund das mitmacht, entscheidet selbst.
Wenn nein, braucht es eine Klimaanlage auf dem Dach. Beachte hier, dass Du die Klimaanlage aufgrund ihres Energieverbrauches nicht lange mit der Aufbaubatterie betreiben kannst. Eher gar nicht. Solche Anlagen verbrauchen zwischen 600 und 1000 Watt. Eure Batterie ist also schnell leer. Solche Klimaanlagen betreibt man eigentlich am Landstrom und nur ausnahmsweise über die Aufbaubatterie.
8. Händler für Umbau
Die Händler von Reisemobilen sind in erster Linie Verkäufer und keine Reisemobilausbauer mit Elektrofachkraft. Für komplexere Einbauten fehlt ihnen die Zulassung. Frag einfach mal danach, ob sie Dir einen Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung (automatische Umschaltung zwischen Landstrom und Wechselrichterstrom im Reisemobil) einbauen können (dürfen...). Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
Wenn Du hier etwas Werthaltiges haben möchtest, bestell Dein Reisemobil eher mit einer elektrischen Minimalausstattung und geh zu einem spezialisierten Anbieter, die nur so etwas machen.
9. Vermietung
Deine Überlegung, das Reisemobil Deiner Wahl zuerst zu mieten und es vor Kauf auszuprobieren, ist vernünftig. So habe ich es auch gemacht und es nicht bereut.
Der Händler im Odenwald hat die Wingamm-Fahrzeuge mal für ein paar Tage zur Miete angeboten, wenn man ein solches Mobil auch wirklich kaufen wollte. Ich weiß aber nicht, ob er das immer noch macht.
Sprich am besten den Händler an, der am nächsten an Deinem Wohnort dran ist. Dort wirst Du wahrscheinlich ja auch kaufen und die Wartungen machen lassen.
Ich hoffe, ich konnte Dir – und auch anderen Lesern – eine kleine Hilfestellung bei der Planung des Reisemobils geben und auf Aspekte aufmerksam machen, die man allein vielleicht übersehen hätte.
Andere Meinungen: Immer gern! Und falls ich etwas falsch geschildert haben sollte oder ein Wert zu korrigieren ist. Einfach in einem Antwortbeitrag klarstellen.
Viel Erfolg bei der Planung Deines Reisemobils und
viele Grüße
Jens